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Ludwig Pichler | Psychotherapie - Coaching - Supervision

Personzentriertes Coaching – das beratende, begleitende Gespräch

Der wesentlichste Unterschied von Psychotherapie und Coaching liegt für mich darin, dass ich im Coaching zwar genauso auf einer soliden und vertrauten Beziehungsbasis aufbaue, aber mit konkreteren Zielinhalten arbeite. Oft ist das Ziel eine Erlösung von etwas, oder eine Art Erfüllung. Dieses neue Etwas ist stets eine, aus dem Inneren des Klienten auftauchende Aktualisierung, niemals etwas von außen Auferlegtes. Als Coach agiere ich mit meinem psychotherapeutischen Wissen im Background derart begleitend, dass mein Gegenüber statt in erneuter Abhängigkeit (zum Coach) überwiegend unabhängig und eigenständig seine Herausforderungen lernt zu meistern.
Im Coaching arbeitet man mit nicht pathologisch belasteten Menschen. Ich nutze es auch zur psychischen Gesundheitsprophylaxe.

Grundzüge dieses PersonCoachings

Nach Personzentrierter Auffassung sind es nicht die vom Coach verwendeten Methoden und Techniken, sondern vor allem eine tragfähige und Selbstempathie fördernde Beziehung zwischen ihm und seinem Klienten, die das Entdecken eigener Ressourcen ermöglicht und Prozesse der Persönlichkeitsentwicklung anstößt. So entwickelt der Personzentrierte Ansatz spezifische Beziehungsbedingungen zur Entfaltung von Entwicklungspotenzialen. Dem Coach verlangt das Personzentrierte Coaching indes ein besonderes Maß an Einfühlungsvermögen ab.

Jeder Mensch besitzt die Fähigkeit, sich konstruktiv zu entwickeln und Probleme eigenverantwortlich zu lösen, wenn seine Ressourcen und Potentiale erkannt und gefördert werden. Dies ist nur möglich, wenn die Person sich in Beziehungen erfahren kann, in denen sie ganz sie selbst sein, sich selbst entdecken, entwickeln und steuern kann. Carl Rogers zeigte in seinen Forschungen, dass es wachstumsfördernde Beziehungen sind, die Veränderungs- und Persönlichkeitsentwicklungsprozesse wirksam machen.

Sechs Beziehungsbedingungen für die Persönlichkeitsentwicklung

  1. Es besteht ein psychologischer Kontakt – der Coach findet eine Sprache, die den Klienten erreichen kann; Klient und Coach nehmen einander wahr; sie reagieren kognitiv und emotional aufeinander.
  2. Der Klient ist (evtl.) inkongruent und hat Angst vor Veränderungsschritten. Er ist uneins mit sich, d.h., er hat Schwierigkeiten mit Erfahrungen, da er diese nicht mit seinem Selbstkonzept vereinbaren kann. Im Unterschied zur Psychotherapie ist eine Indikation für Coaching nur dann gegeben, wenn der Klient in der Lage ist, sich selbst zu explorieren und sein Handeln zu reflektieren und Coaching-Teilergebnisse im Alltag selbstverantwortlich in konkretes (Führungs-)Handeln umzusetzen.
  3. Der Coach ist in der Beziehung kongruent, authentisch und integriert, d.h., er ist in der Lage, sich alle Gefühle, Gedanken und alle Erfahrungen, die er im Kontakt mit seinen Klienten erlebt, bewusst zu machen.
  4. Der Coach empfindet Bedingungsfreie Positive Beachtung (BPB) gegenüber dem Klienten; diese Einstellung ist erforderlich, damit dieser sich in der Beziehung zum Coach sicher und aufgehoben fühlen kann. Dies ist deshalb wesentlich, damit er sich selbst und dem Erleben seines beruflichen Umfelds zuwenden kann und der Kontakt zu sich selbst sowie seine Selbsterkundung nicht durch Bewertungen seines Erlebens und seiner Erfahrungen vonseiten des Coachs unter- oder abgebrochen werden.
  5. Der Coach fühlt sich empathisch in den Inneren Bezugsrahmen (IBR) des Klienten ein, d.h., er wird heimisch in dessen Wahrnehmungswelt und hat in jedem Moment ein Gespür für die sich ändernden gefühlten Bedeutungen des Klienten. Der Coach teilt seine Empfindungen über die innere Welt des Klienten mit und überprüft mit ihm gemeinsam die Genauigkeit seiner Empfindungen (Rogers, 2005; 75). Rogers definiert einfühlsames Verstehen als ein gemeinsames Annähern an die Erlebenswelt des Klienten und als einen prozessualen und interaktiven Verlauf.
  6. Der Klient nimmt (zu Coaching-Beginn evtl. zunächst ansatzweise) wahr, dass ihn der Coach bedingungsfrei beachtet und ihn einfühlsam versteht.

(Quelle: Coaching Magazin 01/16, www.coaching-magazin.de)

Literaturtipps dazu:

  • Biermann-Ratjen, Eva-Maria & Auckenthaler, Anna (2008). Rogers’ Konzeption der therapeutischen Beziehung und ihre Bedeutung für das Psychotherapieverständnis von heute. In Psychodynamische Psychotherapie (PDP), 2008/7, 133–140.
  • Gutberlet, Michael (2008). Integration anderer Therapieformen in die personzentrierte Praxis. In Monika Tuczai, Gerhard Stumm, Doris Kimbacher et al. (Hrsg.). Offenheit und Vielfalt. Wien: Krammer. 45–57.
  • Hockel, Curd M. & Jiranek, Heinz (2012). Coaching lernen. München, Basel: Ernst Reinhardt.
  • Höger, Diether (2006). Die Entwicklung des Klientenzentrierten Konzepts. In Jochen Eckert, Eva-Maria Biermann-Ratjen & ders. (Hrsg.). Gesprächspsychotherapie. Heidelberg: Springer. 11–35.
  • Lammers, Jana & Biermann-Ratjen, Eva-Maria (2013). Bedingungsfreie Positive Beachtung in der Gesprächspsychotherapie. In PERSON, 1/2013, 146–152. » Rogers, Carl R. (2012). Der neue Mensch. Stuttgart: Klett-Cotta.
  • Rogers, Carl R. (1977/2007). Therapeut und Klient. München: Kindler.
  • Rogers, Carl R. (2009). Die notwendigen und hinreichenden Bedingungen für Persönlichkeitsentwicklung durch Psychotherapie. In ders. & Peter F. Schmid. Personzentriert. Mainz: Matthias-Grünewald. 165–184.
  • Rogers, Carl R. (2005). Empathie – eine unterschätzte Seinsweise. In ders. & Rachel L. Rosenberg. Die Person als Mittelpunkt der Wirklichkeit. Stuttgart: Klett-Cotta. 75–93.
  • Rogers, Carl R. (2005b). Brauchen wir „eine“ Wirklichkeit? In ders. & Rachel L. Rosenberg. Die Person als Mittelpunkt der Wirklichkeit. Stuttgart: Klett-Cotta. 175–184.